Über mich

Das Eleon - Figur aus "Die Elalas"


Ich bin 1966 geboren in Frankfurt/Main. Einige familiäre Wurzeln reichen ins heutige Polen/Russland bzw. ins "alte Ostpreußen". Ich studierte Germanistik, Philosophie und Psychoanalyse, epochal auch Judaistik. Nebenher war ich Archivkraft. Promotion im Fach Neuere Deutsche Literaturwissenschaft. Staatsexamen in den Fächern Deutsch, Philosophie, Ethik und Darstellendes Spiel. Ich arbeite als Studienrätin (in einem Oberstufengymnasium,  auch im Fach Kunst und u.a. für Osteuropafahrten), mitunter als Journalistin und Dozentin (Uni und zuletzt Fortbildungsbereich).
Schreiben und Lesen waren für mich immer überlebenswichtig.
Mich hat besonders beschäftigt, dass der kleine Unterschied große Folgen hat.
Mit 13 Jahren habe ich angefangen ernsthaft zu schreiben.
Mein Lebensweg war immer wieder verschlungen mit Literatur, Philosophie, Geschichte und Psychoanalyse/Psychologie.
Mir ist wichtig, dass es Kinder gibt. Und dass wir Israel schützen. Und uns erinnern.

Events 

Aktuelles-Nächste Lesung 2021: am 3.10.21 um 18 Uhr im Ellis Hanau 

  nachträglich zum Tag der Literatur und Tag der Musik unter HR2 /Literaturland:  

Virtuelle Lesung per Film für Sonntag, 30.Mai 2021 , 16-18 Uhr, aus dem  Roman "Bräute des Mittags"  mit moderner und klassischer Musik im ELLIS-KulturBistro Hanau, ausgestrahlt aus aktuellem Anlass ab sofort auf Youtube:

https://www.youtube.com/watch?v=hcFUOQWQWqs&t=24s 

und  auf dem Autorenportal des Kulturforums der Stadt Hanau und auf Ellis Hanau (Facebook).

„Eine Veranstaltung im Rahmen von hr2-kultur Literaturland Hessen und Musikland Hessen. Mit freundlicher Unterstützung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst. In
Kooperation mit dem Hessischen Literaturrat e.V., dem Verein der Freunde und Förderer des
Hessischen Literaturrats und dem Landesmusikrat Hessen e.V.“ 

Hessischer Rundfunk / hr2-kultur 
60222 Frankfurt am Main 
www.hr2.de/literaturland 
www.hr2.de/musikland 


 Die ausgefallenen Lesungen 2020 in der Teestube im alten Fischerhaus,  im EllIS- Kultur -Bistro Hanau sowie im Café Eden in Maintal werden peu à peu nachgeholt.

 -  Archiv: Lesung mit Kinderbuch (Restexemplaren) "Der kleine Mausebär" in Kindergärten im März 2020. Exemplare gebraucht noch bei Ebay und Amazon  -

  Veröffentlichung: Roman "Bräute des Mittags"  2021 und gegenwärtig Arbeit am Kinderbuch: "Die Elalas" mit 30 Bildern

 (Infos siehe Homepage 
stgoedeke.de unter "Die Elalas" /"Bräute des Mittags" und bei youtube: Stefanie Gödeke "Bräute des Mittags" u.a. ) 



Archiv: Lesung mit Musik: "Die unzählige Alte"

Erzählung
Termin: Sonntag 26. Mai 2019, 16-19 Uhr,  am " Hessischen Tag der Literatur" unter dem Programm des HR2-Literaturlands   
im
ELLIS & Kulturcafé  63450 Hanau, Alte Johanneskirche  unter  Mitwirkung von  Marvin Scondo/Les Oldies.  Eintritt frei  - mit Hutspende und Büchertisch 

Fotos zum 3.10.2021 Roman  "Bräute des Mittags" - Lesung, erschienen 2021 bei Bookmundo/Kindle/Amazon. 

Dort auch erste Rezensionen. Weitere Fotos siehe unten.

Hessischer Tag der Literatur und der Musik


Hessischer Tag der Literatur und der Musik, nachgholt am 3.10.21  mit Roman "Bräute des Mittags"

“Das Literaturland Hessen ist ein Netzwerkprojekt: Ins Leben gerufen wurde es 2004 von hr2-kultur, dem Kulturprogramm des Hessischen Rundfunks. Als erstes Projekt seiner Art hat es das literarische Erbe eines Bundeslandes systematisch erschlossen.

Fotos 3.10.2021 zum Roman  "Bräute des Mittags" - Lesung,siehe unten

Hessischer Tag der Literatur und der Musik

“Das Literaturland Hessen ist ein Netzwerkprojekt: Ins Leben gerufen wurde es 2004 von hr2-kultur, dem Kulturprogramm des Hessischen Rundfunks. Als erstes Projekt seiner Art hat es das literarische Erbe eines Bundeslandes systematisch erschlossen.

Bräute des Mittags Roman 2021 erschienen bei Bookmundo/Kindle/Amazon

Fortsetzung literarischer Arbeit mit dem Kinder - und Bilderbuch "Die Elalas" 2021/2022

 

Archiv: Kinderbuchverkauf am 21. März 2019

im ELLIS& Kulturcafé  63450 Hanau, Alte Johanneskirche 

Lesung in Hanau/Hessen/Deutschland

HR2  Literaturland Hessen

Neu: Ein Tag für die Literatur und ein Tag für die Musik 2021


“Das Literaturland Hessen ist ein Netzwerkprojekt: Ins Leben gerufen wurde es 2004 von hr2-kultur, dem Kulturprogramm des Hessischen Rundfunks. (...) Gemeinsam mit dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, dem Hessischen Literaturrat e.V., vielen Förderern und regionalen Partnern macht es Literatur aus und über Hessen auf vielfältige Weise erfahrbar. Dabei lebt das Literaturland Hessen durch die vielen engagierten Literaturfreunde, die in Dichterhäusern, literarischen Vereinen und Gesellschaften, in Museen, Literaturhäusern, Archiven und Bibliotheken, Städten und Gemeinden die Literaturtradition des Landes pflegen und lebendig halten – und durch starke Partner, die Literatur in Hessen fördern.(...)


Zu den regelmäßigen Aktionen im Literaturland Hessen gehört das hessenweite Festival “Ein Tag für die Literatur“, bei dem sich alle hessischen Literaturveranstalter beteiligen können.  2021 findet der der Literaturtag in Kombination mit dem Musiktag an einem Sonntag im Mai statt. Kooperationspartner und Mitveranstalter sind der Hessische Literaturrat e.V. und das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, das den Literaturtag auch finanziell fördert.”

Journalistische Artikel und wissenschaftliche Arbeit: Beispiele


Beiträge zu namhaften Persönlichkeiten/Portraits (u.a. Stadtbuch Frankfurt, Regensburg 1999, Frankfurter Rundschau und Gießener Anzeiger-Gruppe von 1996-2004): Trude Simonsohn, Peter Härtling,  Gudrun Pausewang, Benjamin Ortmeyer, Hubertus von Savigny,  Marie Kunigunde/Gunda von Savigny, Joachim Fest, Ann-Kathrin Linsenhoff, Magnus von Kühlmann- Stumm, Constantin von Brandenstein-Zeppelin, Wolfgang Ernst zu Ysenburg und Büdingen, Lina Hirchenhein, Moritz Landgraf von Hessen,  Manfred Pohl uvm. Serien über Schulen und Schulformen und Soziale Brennpunkte in MKK (Gießener Anzeiger und Gelnhäuser  Tageblatt bis 2002), Holocaust- und Shoa-Schicksale und Erinnerungskultur, Museums- , Theater- und Kunstberichterstattung aus Ffm und  HTK und MTK -Umgebung in Hessen: z.B.  Ausstellungsberichte ( u.a. Städel und Schirn Frankfurt a. M., Sinclairhaus Bad Homburg) über Max Liebermann, Maria Lassnig, Franz Marc, Felix Nussbaum,  Max Kaminski und Friedrich Hölderlins Empedokles, David Nash, Künstlervereinigungen Hochtaunus/Maintaunus, Literaturhaus Frankfurt , Frankfurter Kulturverein a.M. uvm. Rezensionen im FR- Feuilleton über "Hautnah: Neue Wege der Sexualität behinderter Menschen", Neu-Ulm 2003 und Manuela Bannasch (Hrg.) "Behinderte Sexualität- Verhinderte Lust? Zum Grundrecht auf Sexualität für Menschen mit Behinderung" , Neu-Ulm 2003 (FR (18.7.2003) und FR-Rhein- Main:  Ästhetisch geformte Medaillons. Sonntagsmatinee in der Bad Vilbeler Burg mit Joachim Fest ( FR, 29.6.2004). Wissenschaftliche Veröffentlichung zweier Monografien siehe  Frankfurt a. M. 2002 und Berlin 2011, u.a. Artikel über Uwe Johnson und Anna Seghers im Vergleich/Beiträge des Uwe Johnson- Symposiums, München 2011.  Lehraufträge  in NRW-Uni-Paderborn über deutschsprachige jüdische Literatur und Geschichte, Kunst und Literatur im  Epochenvergleich/Komparatistik,  Medien- und Filmdidaktik im Deutschunterricht 2009-2011. Vorträge - Schulamtsbereich Rhein-Main 2016/17.



 Hier folgen in regelmäßigen Abständen   journalistische Artikel, Fotos  oder Beiträge. In diesem Jahr  2021  zum Thema Psychologie. Und gleich geht es los mit einer Einleitung und den ersten konkreten Fragen...

  • Warum wird man, bei den vielen Krankheiten,  auch psychosomatisch krank? Sind psychische Leiden nicht noch tabuisiert? Trotz Kliniken, Psychopharmaka, Therapien, Beratungen allgegenwärtiger Art? Ist eine Krankheit relevant, wenn sie nicht  als Funktionsstörung auftritt? Warum werden so viele Kinder und Jugendliche als depressiv oder sozialphobisch  oder  als (medien-)süchtig diagnostiziert? Wie wächst eine Krankheit in der Kindheit oder aus ihr heraus? Warum teilen Schulämter mit, dass laut Krankenkassen über 25% der Schülerschaft unter 18 Jahren schon psychosomatisch behandelt werden müssen mit Medikamenten, ambulant oder stationär oder durch verschiedene Therapien,  trotzdem läuft das Wunderwerk "Digitalisierung" weiter?  Warum macht jede Mehrgenerationenfamilie Erfahrungen mit  Psychosen und  schweren Persönlichkeitsstörungen bei einem oder mehreren Mitgliedern, aber offizielle Statistiken reduzieren diese nur auf wenige Prozent  der Gesellschaft? Warum dürfen angehende Lehramtsstudierende nichts für ihre psychische Gesundheit tun oder gegen ihre psychosomatische Erkrankung oder müssen dies offiziell verschweigen , weil jede angemeldete Therapie oder Beratung zur Nichteinstellung führen kann? Warum lesen hessische Abiturienten dann planmäßig Juli Zehs Roman "Corpus Delicti"?  Warum muss der freie Wille dafür herhalten, dass bei  vielen psychotischen Erkrankungen politisch und juristisch nicht eingegriffen wird trotz individueller oder sozialer Lebensgefahr und misanthroper Dramatik? Wie ist es überhaupt zur Entwicklung der Psychologie als Wissenschaft gekommen? Als Geschichte der Seelenerforschung des Menschen? in diesem Jahr werden Beispiele folgen und Portraits von Menschen und Schulen, die mit Sozialspsychologie, Psychosomatik, Kinder- und Jugendforschung, Individualpsychologie, Geschlechterpsychologie und Generationenpsychologie sowie Gehirnforschung und Genetik zu tun haben. Ende des Jahres wird es dann zum Abschluss eine kleine Buchliste für Interessierte geben.


... zur Entwicklung der Psychologie im 18.  und 19. Jahrhundert...


  • Die Seele wird erst entdeckt und das spät, denn die Herkunft des Psychischen (und die Rolle der Vernunft dabei) enzieht sich unserer direkten Erfahrungsmöglichkeit, was eine exakte 1 zu 1 -Aussage oder Lösung betrifft. Die Herkunft und das Ausmaß psychischen Erlebens, der Phänomene, die wir psychisch nennen, weil sie physikalisch nicht erfassbar sind, sind durch bloße Erkenntnis allein nicht zu gewinnen. Hier geht es um Beobachten, Beschreiben, Vergleichen, Zuordnen und auch Medikamentieren in dem Zusammenhang des Lebens, des einzelnen lebenden Menschen, in einem System des Verstehens, das ihm möglichst nahe kommen soll. Philosophie ist dabei stets Quelle, Inspiration und Wegweiser gewesen, aber  nicht praktisch in der Ausrichtung und nicht therapeutisch in der  Auswirkung. Wenn man den Beginn der Entwicklung der Psychologie deshalb ins 18. Jahrhundert  legte,  wie etwa Friedrich Doucet in seiner Geschichte der Psychologie, dann nicht ganz willkürlich, denn Anfang der 90iger Jahre des 18. Jahrhunderts entstand die erste moderne Krankenhausanstalt für Psychiatrie und Psychotherapie, die Salpêtrière in Paris. Philippe Pinel und Jean-Martin Charcot werden Pioniere der europäischen Begleitung und Behandlung von Menschen mit sogenannten Geisteskrankheiten - unabhängig davon, dass es in anderen Kontinenten  zu dieser Zeit auch heilmedizinisches Wissen und Bemühungen gab.


  • Bevor diese beiden Ärzte und Ihr  Beitrag zur Entwicklung von Behandlungsmethoden Thema sind, sollte ein Blick auf das sog. Leib-Seele-Problem aufschlussreich sein. Nach der offiziellen christlichen Lehre,  die im europäischen Abendland in Form der  Majoritätskultur und  feudaler Staatsform dominant war, wohnte die Seele im Körper und verließ diesen erst beim Tod. Diese "Dualität" von und zwischen Leib und Seele führte ideologisch und durch Prozesse der Inquisition dazu, dass Todsünden, Bündnisse mit dem Teufel  und Verfehlungen  schon zu Lebzeiten (besonders gern bei Ketzern, Häretikern, Abtrünnigen, Hexen, Juden und behinderten Menschen  aller Art sowie bei allen Feinden der eigenen Religionsvormacht und auch "Kriminellen") davon betroffen waren, nicht erst zum Zeitpunkt des  jüngsten Gerichts. D.h. dass das Teuflische sich schon zu Lebzeiten eines Menschen und seiner Seele bemächtigen konnte. Symptome geistiger Verwirrung und seelischer Verirrung, die keine Anzeichen herkömmlicher "Vernunft" oder göttliche Wunder waren, galten als Hinweis  auf und Indiz für die Unreinheit der Seele, die es demzufolge im konsequentestem Maß auszuräuchern galt, um die gesellschaftliche Infektionsgefahr zu verhindern. Eine psychosomatische Kulturtheorie und Medizinforschung samt methodischer Heilverfahren wie der Psychopharmakologie  brach sich erst mit den  Anfängen der Sexualforschung und Psychoanalyse Bahn - verbunden mit Pionieren wie  Sigmund Freud und in Nachfolge Anna Freud  und der Wiener Schule. Die Psychiatrieforschung nahm außerdem durch die Leiden und Traumata der Kriegsteilnehmer des Ersten Weltkriegs im 20. Jahrhundert "Aufschwung".  Aber  noch  geht es um die Befreiung der psychisch leidenden Menschen und Geisteskranken als Bestien, Sträflinge und Unmenschen in Paris zum Anbruch der großen französischen Revolution...


  • Die "Todsünde" ist ein Zustand geistiger Verwirrung, nicht der Klarheit. Manchmal geht sie mit einem Ausdruck großen Leidens einher, aber das spielt keine Rolle, wenn Menschen wie Tiere behandelt werden, und das ist im 18. Jahrhundert auch in Europa der Fall. Die Frauen machen keine Ausnahme, im Gegenteil, folgt man dem "Hexenhammer" als Grundlage der katholischen Inquisition, die weit über das Mittelalter hianaus Gültigkeit hatte, ist der Schädel einer Verrückten zu spalten als Alternative zum Scheiterhaufen. Verwahrloste Sträflingsanstalten und Foltermethoden sowie methodisches Aushungern und Erfrierenlassen waren nebst experimenteller Vorführungen üblich. Philippe Pinel begann mit dem Versuch, seelisch kranke Menschen mit einem ersten psychosomatischen Verständnis zu behandeln und psychische Ursachen zu erforschen. Dazu gehörte das Zusammenleben mit den Erkrankten in der  Pariser Psychiatrie, das Beobachten und Zusammentragen ihrer Symptome; das, was wir heute auch Diagnostik nennen, durch Klassifikation und Sammlung von Krankheitsbildern verstehen zu lernen. Erbärmliche Sträflingsanstalten wichen also Krankenhäusern. Der reformerische Humanismus breitete sich allerdings sehr langsam in Europa aus, und es dauerte ein bis zwei Generationen, bis etwa der Psychiater Serge Korsakow in Moskau eine Zusammenfassung seiner psychiatrischen Syndrome (Anzeichen und Zustände  bei einer  psychotischen Erkrankung)  im 19. Jahrhundert vorlegte. Er konnte  wie Pinel zeigen, dass das Denken von emotionalen Zuständen abhängig war. In England und Amerika sorgte die Familie Tuke u.a. für den Aufbau von Krankenhäusern , wobei die Diskussion über soziale, psychologische und  gehirnphysiologische Gründe für seelische Erkrankung in vollen Gang kam. Das Studium der Depression begann. Charcot, Nachfolger von Pinel in Paris, untersuchte Lähmungen und Nervosität und erforscht neurotische Störungen. Die Geschichte der Psychologie hörte auf, ein höllischer Vorbote zu sein. Dennoch sind Kranke im ganzen 19. Jahrhundert ein "Störfaktor" und nicht ein Ansporn zu einem grundlegenden Gesundheitssystem, das heilen will, und dies epochenweise auch im 20. Jahrhundert. Und die Psychoanalyse entwickelt sich ebenso wie die Psychopharmakologie, doch bevor dies Thema wird, müssen einige Definitionen  im Ansatz geklärt werden wie Psychose, Neurose , Neuropharmakologie und Libido, neurologische Reflexe uvm.


  •  Angesichts des Irrsinns in der Welt und der  bestehenden Unkenntnis über die  Möglichkeiten  menschlichen Lebens  außerhalb dieser  Welt ist es sehr gewagt,  über Psychosen zu schreiben. Wir können Symptome klassifizieren und auflisten und erklären, wir können die beteiligten Faktoren zu benennen versuchen, wir können genetische Aspekte erörtern und Verhaltensweisen auf eine Konstitution zurückführen, auf eine Umgebung und auf das Zusammenspiel dieser oder jener Erfahrung mit einem "Charakter" oder "Zustand"  oder einer "Anlage";  - und doch wissen wir, jeder normale Mensch oder wer dafür gehalten wird, kann unendlich viele Erkrankungsbilder bei sich finden.  Ganze  Behörden-Strukturen , institutionelle Ausformungen  und kulturelle Kodexe leben davon. Es kommt nur auf die Summe und die Ausformung an. Und alle wissen, dass Macht und Herrschaft,  Reichtum,  Armut und  Konkurrenz, staatliche Systeme und soziale Strukturen und nicht zuletzt der Krieg auf psychotischen Dispositionen und labilen Verkörperungen des menschlichen Daseins aufbauen oder sie herbeiführen bei Beteiligten.  Das heißt, es gibt kein Leben ohne Psychosen. Kranksein aber ist eine Funktionsstörung aus der Sicht der  ökonomisch verzahnten und  sozial organisierten Gesellschaft:  wer noch gut  funktioniert, kann  darüber hinaus krank sein, so oft und viel er, sie, es will. Das ist zwar pauschal,  denn am Rande einer Existenz kann schon eine beliebige andere sein, die sich nicht verträgt mit dieser, aber, wie die Schizophrenie sich nicht exakt abtrennen lässt von einem Klassifikationssystem, nachdem sie  erstellt wird einerseits, so ist sie andererseits ein Ausdruck eines allgemeinen  belasteten Katastrophenverlaufs, indem wir uns bewegen. Die  menschlich erfassbare Welt ist nicht gut ,  an sich schwer erkennbar und unsere Existenz ist gefährdet. Warum also dann Namen  für Krankheiten finden ,  zumal manche Ursachen ( noch ) nicht bekannt  sind?


  • Vielleicht lässt sich das kurz  am Beispiel des russischen Physiologen Iwan  P.  Pawlow erklären, der 1904 den Nobelpreis für Medizin bekam, aber sich neurologischen Studien widmete, die ihn zur Psychologie führten. Er fand heraus, dass die Spreichelsekretion bei Hunden durch Futtersignale ausgelöst werden konnte, bevor es etwas Essbares gab. Er machte in seinen Experimenten die Entdeckung, dass Reize , von  der Außenwelt  systematisch herbeigeführt,  zum Reflex werden können, und diese Reflexe können sich zu einer Reaktionskette fügen,  sozusagen einen Lernvorgang ergeben. Kausale  und konditionale Zusammenhänge im Sinne des  weil -darum  und wenn- dann benutzen wir oft in der Erziehung und Pädagogik. Oft auch vergeblich. Wir nennen aber seit Pawlow das menschliche  Reiz-Reaktiosmuster eine Kondition, d.h. übertragen auf den Mensch  - wie es die vergleichende Verhaltensforschung fortführt -, bringen wir dem Menschen durch Wiederholung Humanreflexe bei,  z.B. in der primären familiären und sekundären Sozialisation ,  in Institutionen, in Gruppen. Das berühmte Pawlowsche Klingelzeichen kennt wohl jede/r von uns, der und die  am Morgen nicht sagen kann, der frühe Vogel kann mich mal.  Oder am Abend nicht sagen kann gute Nacht. Wir wissen es zu schätzen aus der Sicht von Arbeitswelten, dass der bedingte Reiz ein Reflex wird , und wir wissen auch, was Pawlow später herausfand - dass der Reflex durch einen Schock, durch  ein Trauma, durch eine extreme äußere Veränderung wieder revidiert werden kann. Pawlows Hunde entkamen nur knapp einer Überschwemmung und hatten danach jegliche antrainierte Reflexhafitkeit verloren, sie waren "gelöscht".  Der Zusammenbruch bei  pschosomatischer/psychischer Stressüberflutung, hier auch als eine psychotische Form genannt, führt zur nervlichen Überlastung und Löschung des Reflexes im Gehirn. Das brachte uns wissenschaftlich bei, dass der Mensch unter Angst schlecht lernt, ohne Zwang allerdings auch nicht viel. Nun müssen wir diese Erkenntnisse der Reflextheorie auf die Frage anwenden, wie persönliche , soziale und politische Prozesse konditioniert  oder nicht konditioniert werden können, denn beides ist der Fall. Wichtig ist hier zuerst, dass das Nervensystem auf Veränderungen und Auswirkungen reagiert und mit ihnen geformt wird,  psychische und physische Repräsentanzen  sind miteinander verbunden - im Gehirnzentrum und außerhab  des Gehirnzentrums in einer komplexen Welt, die auf es einwirkt, so wie es auf die Welt zurückwirkt. Es wundert nun nicht, dass sowohl die Entwicklung des EEGs wie auch die Entdeckung der Bedeutung von Assoziationen, also individuelle differrenzierte Formen des symbolischen Denkens und Fühlens, damit verbunden sind. Die psychoanalytische Forschung Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts auch. Und natürlich  ist die Bestimmung von Assoziationsketten als krank oder gesund nicht herrschaftsfrei und historisch und sozial beeinflusst.


  • Sicherlich ist die klassische Psychoanalyse in vielen theoretischen Bausteinen, Behandlungsmethoden und praktischen Verfahren heute modifiziert, einige Annahmen  sind revidiert  worden.  Inzwischen arbeiten systemische, verhaltenstherapeutische, gestaltpsychologische, gruppentherapeutische und tiefenpsychologische Zweige, etwa  in der  therapeutischen Ausbildung , zusammen.  Auch die Grundlagenforschung hat sich modernisiert, zumal nur die  Ausbildungs - und Behandlungsinstitute, die Zulassungen für gesetzliche Krankenkassen und genügend Gesundungsaussichten nach Behandlungen aufweisen, sozial mit  der Approbation und dem Kassensitz verankert sind.  Jedenfalls sollte dies in der Regel so sein. Flächendeckend ist auch in unserem Gesundheitssystem in vielen Regionen eine Unterversorgung festzustellen, sowohl was psychotherapeutische als auch psychiatrische Praxis und  psychosomatische Nöte angeht. Nichtsdestotrotz stellt die gesamte psychoanalytische Theorie und Praxis des Begründers Sigmund Freud eine bahnbrechende Entwicklung und einen Meilenstein in der Erfoschung des menschlichen Wesens dar, denn die Sexualwissenschaft, die Kinder -und Jugendlichenpsychologie, die tiefenpsychologische Kultur- und Sozialpsychologie und  die Individualpsychologie sind europäisch und international ohne diese Fundamentlegung Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts undenkbar. In diesem Rahmen ist es nicht möglich, auf mehr als einige wesentliche Punkte und Begriffe einzugehen. Aber man kann mit  treffenden Bestimmungen auch  Phänomene geistiger und seelischer Störungen  physiologisch- psychologisch besser verstehen und  ein Verständnis  für den Schwebezustand zwischen Wahn, Defekten und der Abgrenzung der normativen, d.h.  auch gesetzlichen Realität von Funktionsstörungen besser entwickeln, die nicht institutionell zur Übereinstimmung gebracht werden können. Das Unbewusste, die Libido,  gemeint ist hier Triebenergie, die Assoziationen des Menschen und   Anlage und Prägung sind ebenso entscheidend für die psychosexuelle Entwicklung wie die kognitiv-soziale Fähigkeit abhängt von Symbolisierungfsfähigkeiten, die man in face to face-Interaktionen der Kindheit, in primärer- und sekundärer Sozialisation erfährt.  Nicht nur durch  elterliche Instanzen und in verschiedenen Schichten und Systemen. Was nicht bedeutet, dass Eltern und Familie  oder  Ersatzpersonen nicht wichtig sind, im Gegenteil. Aber sie sind auch ein individueller Niederschlag von gesellschaftlichen Strukturen, selbst wenn das Ich der Persönlichkeit ein Begriff bleibt, mit dem man die sogenannte "soziale Identity" und die "personale Identity" in ihren Verschränkungen und Abgrenzungen besser  begreifen und  voneinander unterscheiden kann. Die quasi philosophische Frage wäre natürlich nun, von  wieviel "Subjekt"-Sein angesichts der Macht von Realitäten, auch ökonomischen und kulturellen  Realitäten, ist eigentlich ausszugehen? Das hat sich natürlich auch Freud gefragt. 


  • Interessant zu sehen ist, dass Wohlstand und Industrialisierung allein zwar das Augenmerkt auf psychosomatische Erkrankungen und seelische Persönlichkeitsstörungen sensiblisiert haben, aber das Individuum, mit eigenem Narzissmus beschäftigt und zu vielerlei Spiegelungen im weltlichen Kontext medial befähigt, ist nicht weniger einsam,  als  es Generationen vorher der Fall war. Und in Gesellschaften, die ärmer sind und mehr Enge und  Überlebensarbeit abverlangen, wird mitunter nachweisbar in der Regel mehr gelacht; die Standards der Fröhlichkeit lassen sich materiell nicht einfach heben. Und eine Sozialphobie oder Depression,  wie sie heute in der  Praxis von Kinder-und  Jugendlichentherapie so oft anzutreffen sind, können nicht  nur durch Verhaltenstraining und Medikamente beseitigt werden. In  Pandemie-Zeiten wie diesen wird der Zusammenhang zwischen Isolation und Materie  samt Bild-Schirmen ohne soziales Gefüge, Berührung vor Ort und Strukturgebung durch Gemeinschaft, z.B. im Bildungswesen, sehr deutlich. Wer sich heute für die Entwicklung des "Ichs" in der sogenannten Moderne und Postmoderne interessiert, kommt an den Nachfolgegenerationen der klassischen Psychoanalyse und ihrer Weiterentwicklung in  andere und neue Wissenschaftszweige nicht vorbei. Neben der Selbstpsychologie von Heinz Kohut und  Fragestellungen rund um die narzisstischen Persönlichkeitsstörungen von Menschen, der Säuglingsforschung aus der Schule  des amerikanischen Kinderarztes und Psychonalaytikers Daniel N. Sterns oder der Spieltheorie und Erklärung der ersten Symbolisierungsfähigkeiten des Menschen von D. Winnicott, einem englischen Kinderarzt und Psychoanalytiker, gab es die Schule Melanie Kleins, die sich der  Erforschung unfd Behandlung der Übertragung als Neurose beim Kind verschrieb und Kindertherapeutik vorantrieb sowie die Kriegs- und Hospitalisierungsstudien von Anna Freud  oder die sozialpsychologischen Feldstudien einer Margarete Mead zur Kulturellen Sozialisation von Menschen; dies alles sind nur exemplarische Beispiele für die Verzweigung  der Psychologie in neue Erforschungsfelder , nicht zuletzt die Psychiatrie ist damit beschäftigt, Wahn und Normalität in den   neuronalen und physiopsychologischen Vernetzungen auf den Grund zu gehen, Krankheitsbilder zu erforschen und zu behandeln, für die es noch und vielleicht nie eine Heilung gibt. Das liegt nicht  nur daran, dass die Gesundheitssysteme auch hierzulande dringend reformiert werden müssten, sondern an gesellschaftlichen Realitäten , die in sich nicht homogen sind und sich teils selbst  extrem widersprüchlich,  bis hin zur Absurdität, zueinander verhalten. Insofern ist das Papier  bis heute geduldig.


Fortentwicklung im 20.  und 21. Jahrhundert...


  • Die Entwicklung und Verzahnung der Psychologie in verschiedene Wissenschafts- und Anwendungsereiche im Lauf des 20. Jahrhunderts bis zur Gegnwart ist so immens, dass ich hier in den nächsten Monaten des Jahres nur einige Schlaglichter und dazu passende Lektürehinweise geben kann. Aktuell müssen Verhaltenspsychologen und psychoanalytisch orientierte Gestaltpsychologen sowie neurologisch  oder systemisch orientierte Psychologen zum Beispiel im  therapeutischen Kinder  - und Jugendlichen -Arbeitsfeld gemeinsame Abschlussprüfungen machen, um sich ihre Gebiete  gegenseitig zu erschließen. Die Entwicklung der Psychiatrie hat verschiedene Phasen und Sprünge erlebt, die Psychopharmakologie ummantelt sie, die  Gehirnforschung und Psychosomatik wie die Genforschung sind  hinzukommende Bereiche, die zu den modernsten  gehören. Klassische Bereiche wie Familienpsychologie,  Gruppenpsychologie und Individualpsychologie bestehen fort, ebenso wie kulturanthropologische , sozialpsychologische, betriebs- und wirtschaftspsychologische Forschungsgebiete. Die Säuglings- Kleinkind- Jugendlichen und Erwachsenenforschung ist inzwischen  weit verzweigt, darunter fallen auch neuere angewandte Wissenschaftsbereiche wie Geriatrie- und Generationenforschung. Die vergleichende Verhaltensforschung zwischen Mensch und Tier und die sozialistorisch orientierte Medienpsychologie sind durch verschiedene Schulen und Richtungen vertreten. Die Geschlechterpsychologie, die psychosoziale Theorie der Diplomatie internationaler Beziehungen, die Sexualpsychologie,  die Krminalpsychologie, sie alle haben ein Terrain, zugleich stehen sie in Verbindungen zueinander.  Die interdsiziplinäre Zusammenarbeit wird allerdings sehr unterschiedlich erwartet oder gefördert. Die institutionelle Verwaltung des modernen Lebens hat eine Vielzahl von psychologischen Betriebeseinheiten in Bewegung gesetzt, man denke nur an die Werbungsindustrie mit ihren psychologischen Erkenntnissen zu Märkten und Lenkung von Bedürfnissen.  Einige  wenige Wissenschaftszweige werden nun kurz umrissen und Autoren dazu empfohlen.






 







Stefanie Gödeke-Kolbe: Subjektfiguren und Literaturverständnis nach Auschwitz.  Romane und Essays von Christa Wolf. Dissertationsschrift. P. Lang Verlag 2003

Stefanie Gödeke: Gedächtnisliteratur im 19. und 20. Jahrhundert. Deutsch-jüdische Literaturgeschichte und ihre Rezeption im Bildungswesen. 2011, Logos-Verlag 2011